Was das Netz alles über mich weiß…

20.Juli 2008

Schon seit einiger Zeit ist es möglich über eine neue Art von Suchmaschinen, den sogenannten Personensuchmaschinen wie zum Beispiel 123people, viele persönliche Daten über Personen aus dem Internet zu gewinnen. So beispielsweise Fotos, Postanschrift, Telefonnummern, EMail Adressen, Social Network Profile und Blogs.Vor allem Leute, die einen Online-Shop betreiben, Social Networkung Seiten angehören, Blogs und Instant Messaging Dienste verwenden, hinterlassen eine Vielzahl an Spuren im Internet. Meist ist das bei Nutzung solcher Dienste durchaus auch erwünscht. Vielen wissen allerdings nicht, dass die einzelnen Daten, die sie auf verschiedenen Seiten hinterlassen, auch zusammengefügt werden. So können dann anhand der zusammengetragenen Einzeldaten ganze Persönlichkeitsprofile erstellt werden. Auf diese Weise funktioniert zum Beispiel auch die bereits erwähnte Personensuchmaschine 123people. Dieser Dienst zusammen mit dieser Vorgehensweise wird allerdings von allen Seiten stark kritisiert.

Bei der Suchmaschine braucht man lediglich den Namen einzugeben und die Suchmaschine durchforstet dann das gesamte Netz und trägt alle Informationen über die betreffende Person zusammen, die sie finden kann. Dazu gehören Fotos, Telefonbucheinträge zusammen mit der Anschrift, Videos, Weblinks, E-Mail Adressen und vieles mehr. Sogar Dokumente und Einträge auf Amazon kann die Suchmaschine ausfindig machen. Als zusätzliches Service, werden die gefundenen Schlagworte in einer sogenannten Begriffswolke zusammengefasst, damit man sich auf den ersten Blick ein Bild der Person machen kann. Das einzige Problem dabei ist (oder für viele ist es auch ein Segen, weil so die Daten doch nicht so eindeutig und personenspezifisch sind), dass auch alle Daten zu anderen Personen, die den gleichen Namen haben, angezeigt werden. Deshalb ist es oft der Fall, dass die gelieferten Daten ein Mix aus all den Personen, die den gleichen Namen haben, ist.

Wie kommt die Suchmaschine nun aber zu den besagten Daten? Sie greift hierbei auf alle öffentlich zugänglichen Daten des Internets zurück und fasst diese dann zusammen. Bilder werden zum Beispiel bei Google, flickr, MySpace etc. gesucht. Der Lebenslauf könnte bei MySpace online gestellt worden sein und die Telefonnummer und die Anschrift erhält man über das öffentliche online Telefonbuch.

Das ist allerdings noch nicht alles! Für Interessierte, die am Laufenden über die gesuchte Person gehalten werden möchten, gibt es die Möglichkeit, dass sie ihre Email Adresse angeben und bei jedem neuen Eintrag zu dieser Person via Email informiert werden.

123people hingegen sieht kein Problem beim Anbieten des Services. Es werden keine datenschutzrechtlichen Bestimmungen verletzt. So betont das Unternehmen sogar, dass sie Leute eher darauf aufmerksam machen wollen, wie diese mit ihren Daten im Internet umgehen. So könne jeder User eine Abfrage für seinen Namen machen und anhand des Ergebnisses zukünftig entscheiden, welche Schritte er vermeiden muss, damit Daten nicht mehr angezeigt werden, welche er auch nicht möchte, dass sie öffentlich zugänglich sind. Hierfür kann man sich auch bei der Personensuchmaschine registrieren und etwaige falsche Daten zu der eigenen Person korrigieren.

Bezüglich der Nichtverletzung von Datenschutzbestimmungen, kann man allerdings auch Einwände einbringen. So sind die Ergebnisse, die die Suchmaschine zusammenträgt, zwar alle der Öffentlichkeit zugänglich, dennoch ist die Nutzung der gewonnen Daten von Dritten in den allermeisten Fällen untersagt. Darüber hinaus werden die personenbezogenen Suchanfragen für zwei Wochen zwischengespeichert, was zu dem unerwünschten Ergebnis führen kann, dass diese von dem Bot von Google gelesen und eventuell auch indiziert werden. Im schlimmsten Fall kann es dann auch passieren, dass der eigenen Name mit Google AdWords verknüpft wird und für den eigenen Namen plötzlich Anzeigen bei der Suche bei Google erscheinen.

Ein kleiner Wehmutstropfen ist, dass in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Personensuchmaschine 123people festgehalten wurde, dass die Nutzung der gewonnen Daten zu Marketing-Zwecken nicht gestattet ist. Wie man allerdings eine solche Nutzung im Bedarfsfall rechtlich nachweisen will, wenn die Daten alle im Internet frei zugänglich sind, bleibt allerdings sehr fraglich.

Es ist darüber hinaus auch nicht möglich, dass man die Inhalte, die die eigene Person betreffen, aus der Suchmaschine rauslöscht, da die Ergebnisse automatisch generiert werden. Wenn man es also vermeiden möchte, dass die Suchmaschine die persönlichen Daten findet, müsste man seine gesamten Profile, aus denen die Daten gewonnen wurden, löschen. Und nicht einmal das garantiert, dass die unerwünschten Daten dann nicht weiterhin bei der Suchmaschine gelistet werden. So muss man in einem solchen Fall unter Umständen einen eigenen Antrag stellen, damit die Daten aus dem Index der Suchmaschine verschwinden. Allerdings unter dem Vorbehalt, dass 123people selbst entscheidet, ob die Daten gelöscht werden, oder nicht.

Von vielen als problematisch gesehen wird auch der Mix verschiedener Personen mit gleichen Namen. So kann es sein, dass jemand mit gleichen Namen rassistische Einträge in Blogs oder der gleichen getätigt hat, die dann unter dem eigenen Namen aufscheinen. Das kann dann unter Umständen ein schlechtes Bild auf mich werfen.

123people ist nur die Spitze des Eisbergs der sich entwickelnden Personensuchmaschinen. Mittlerweile gibt es eine Reihe anderer, die mit dem gleichen System arbeiten. Vor allem Personalmanager nützen diese Dienste zur Überwachung von Mitarbeitern, oder zur Bewertung von Bewerbern.

Die menschlichen Daten werden also immer durchsichtiger und leichter zugänglich. Die Einstellung der Menschen selbst muss sich also in diesem Zusammenhang ändern. Und man wird sich in Zukunft wohl immer mehr und immer öfters genau überlegen, wo man seine Daten Preis gibt und wo nicht.

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